Gelesen: Rudi Rödig: Piloten gibt's wie Sand am Meer

Piloten gibts wie Sand am Meer

Piloten gibts wie Sand am Meer

Ich habe so viel mit der Fliegerei zu tun wie ein Eunuch mit dem Kinderzeugen.

"Wenn du mehr über unseren Beruf erfahren willst", sagte kürzlich ein Pilot zu mir, "dann lies Rudi Rödig’s ‚Piloten gibt’s wie Sand am Meer‘. Angefangen von den Flugkapitänen auf den großen Jets über Fluglehrer, Sportflieger bis hin zu den Privatpiloten und Geschäftsfliegern vermittelt er in seinen diversen Geschichten gutes Hintergrundwissen."

In den einschlägigen Pilotenkreisen ist dieses 250 Seiten starke Buch ein durchweg gelobtes Werk und uneingeschränkt positiv aufgenommen worden.

Für den Berufs- wie den Freizeitpiloten bietet dieses Buch alles andere als Fachsimpeleien der ausgefeiltesten Art, sondern eine Form von kurzweiliger Unterhaltung, die vermutlich in Pilotenkreisen meist zu kurz kommt: den süffisant ironischen Blick hinter die Kulissen, eine Art leichte Parodie auf das Pilotenleben.

Damit hat der Autor zumindestens all diejenigen seiner Kollegen auf gleicher Frequenz, die über den Dingen stehen und selbst ab und zu ironisch ihr eigenes Berufsimage, das des Helden der Lüfte, hinterfragen.

Was aber bietet der Autor einem schlichten Pax, also demjenigen, der bis ans Ende seiner Tage immer nur hinten in den engen Sitzen als Fluggast angegurtet dabei ist?

Hier gilt mein uneingeschränktes Lob dem gelungenen Spagat, den der Autor im Sinne von guter Unterhaltung vollführt. Zwischen sachlicher Information, für den Laien verständlich erklärt, werden in munterer Schreibweise witzige und ernste Themen gemixt und teils spannend verpackt.

Es wird also auch derjenige, der niemals einen Pilotenschein machen wird, mit diesem Buch gut informiert, teils fesselnd unterhalten und niemals gelangweilt.

Und dies, und hier möchte ich auch ein wenig Kritisches anmerken, obwohl die Ansammlung an Berichten, Geschichten, Glossen und Reportagen etwas chaotisch strukturiert wirkt. Gewiss, es stehen sämtliche Teile dieses Buches unter demselben Motto, nämlich dem des Berufspiloten. Die einzelnen Texte stellen jedoch eine kunterbunte Mischung dar, einzelne herausgegriffene Aspekte in der Vordergrund schiebend.

Insoweit ein Buch, das man getrost mittendrin anfangen könnte, um danach den Anfang und dann das Ende oder umgekehrt zu lesen.
Die Sprache, die der Autor verwendet, passt sich zwar dem teils sachlichen informativen Charakter der Themen an, könnte hier und da , nämlich immer dann, wenn der Autor erzählt, etwas anspruchsvoller sein.
Störend wirkt der Schreibstil jedoch nicht, denn es kommt keine Minute Langeweile auf.

Besonders in Erinnerung ist mir die witzige Darstellung geblieben, in der der Autor allen Nichtpiloten klarmacht, wie absurd manche Filmszenen im Fernsehen und auf der Leinwand sind. Er stellt gewisse Filmszenen nach und fragt, inwieweit das dort Gezeigte mit der Realität stand hält. Am Ende dieser Darstellung ist man zwar um eine Illusion, nämlich die, dass auch ein Laie einen Düsenjet landen kann, ärmer, dafür um ein paar Lachfalten reicher.

Dazwischen berichtet der Autor in seinen Geschichten wie Piloten ihr Flugzeug eigenhändig von Schnee und Eis befreien, wie unfreiwillig urkomisch manch arrogant blasierter Fluggast wirkt und welche Hierarchien innerhalb der Pilotenkreise wie unsichtbare Fäden gesponnen sind. Vor Ironie triefend ist auch des Autors Test für diejenigen, die unbedingt den Pilotenberuf ergreifen wollen. Da stellt der Autor zur Abschreckung aller Verklärten mit Hilfe einer kleinen Badewanne, eines alten Mittelwellen-Radios, einer am Vortage gekochten Kanne Kaffee und einem dauerhaft laufenden Staubsauger die Bedingungen eines Langstreckenfluges wirklichkeitsgetreu nach. Am Ende seiner Geschichtensammlung versteht auch der Laie, weshalb Pilot zu sein, mehr eine Lebenseinstellung als ein Beruf ist.

Gut gefallen haben mir die Illustrationen, die zwar nicht erforderlich gewesen wären, denn das Witzigironische kommt auch ohne diese Untermalung gut aus, was nur für den Autoren spricht, aber sie passen dennoch homogen zum Geschriebenen.
Schon die Umschlagseite ist an Aussagekraft kaum zu überbieten: es sind dort ausschließlich kegelrundbäuchige Piloten und Pilotinnen mit pausbäckigem Gesicht und Knollennase abgebildet.

"Die Leute lesen gerne über Berufe. Keiner weiß warum, aber es stimmt", schrieb schon Stephen King (Das Leben und das Schreiben).
Und er hatte Recht, denn ich habe mich gerne von Rudi Rödig auf fesselnde ironisch witzige Weise an die Hand nehmen und hinter die Kulissen seines Berufs führen lassen.

Auf jeden Fall werde ich mir nun sein Buch "Der lange Weg nach vorne links" zu Gemüte führen und freue mich schon jetzt auf weitere amüsante Lesekurzweil.

Zu beziehen: Buchhandel
oder direkt beim Erzeuger: http://www.duesendruck.de

Elvira

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